Irgendwann nehmen die Erkrankungen im Alter zu und Sie benötigen Hilfe von anderen Menschen, um zu Hause zurecht zu kommen. Und dann entsteht in Ihnen der Gedanke, eigentlich steht mir doch ein Pflegegrad oder ein höherer Pflegegrad zu und Sie stellen einen entsprechenden Antrag bei der Pflegekasse. Sie werden vom Medizinischen Dienst der Kassen (MDK) begutachtet und Ihr Antrag wird abgelehnt. Sie sind enttäuscht und erzählen das Ihrem Hausarzt. Und ich sage Ihnen dann folgendes: Lieber Patient/in, solange Sie noch allein zu Hause leben können und einigermaßen zurechtkommen, gelten Sie im Pflegebereich als jemand, der noch selbständig leben kann. Dafür gibt es höchstens die Pflegestufe I, und das ist doch eigentlich eine Auszeichnung, dass sie noch einigermaßen selbständig sind.
Jetzt müssen Sie diese Auszeichnung fest in beide Hände nehmen und etwas daraus machen. Machen Sie daraus ein Konzept, weiterhin so lange wie möglich zu Hause weitgehend selbständig bleiben zu wollen. Die Selbständigkeit ist Ihr größtes Gut im Alter. Nehmen Sie es positiv und dankbar wahr und überlegen sich, wie Sie es erhalten können. Meine Schwester lebt allein im betreuten Wohnen in Köln. Wir telefonieren mehrfach in der Woche zusammen. Von ihr habe ich einige Gedanken aufgenommen: Täglich üben und morgens im Bett anfangen. Zur täglichen Gymnastik kommt das Muskeltraining mehrfach in der Woche z. B. an einer Treppe: jedes Mal eine Stufe mehr steigen. Wie geht man im Alter die Treppen hinunter? Am besten seitlich, wegen der Knieschmerzen. Auch rückwärts ist nicht schlecht. Es schaut schon keiner zu.
Aber was passiert, wenn wir hinfallen? Jetzt kommen wir zu einem wichtigen Thema und zu einer neuen Übung: nämlich vom Boden aufstehen lernen und das üben wir folgendermaßen: Nehmen Sie einen festen Stuhl und stellen sie ihn vor sich hin. Nehmen Sie ein richtig dickes Kissen und legen es vor den Stuhl auf den Fußboden. Stützen Sie sich mit den Händen gut an der Sitzfläche des Stuhls ab und gehen langsam mit einem Knie runter, bis Sie mit Ihrem Knie das Kissen berühren. Das ist die Vorübung, mit der wir testen, ob die weitere Übung bei Ihnen möglich ist. Wie es weiter geht, besprechen wir beim nächsten Mal.
Dr. Wolfgang Hasselkus, Seniorenbeauftragter des Landkreises Coburg
Seniorenbüro Rödental
Schlesierstraße 20
96472 Rödental
Telefon (0 9563) 549 589